Bernie Sanders beginnt Aufholjagd, gewinnt ‚Western Tuesday‘ deutlich


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Bei den gestrigen Vorwahlen der Demokratischen Partei in den Bundesstaaten Arizona, Idaho und Utah – dem ‚Western Tuesday‘ – hat Bernie Sanders zum wiederholten Mal die Umfragen und Prognosen widerlegt, in Idaho und Utah überwältigende Mehrheiten eingefahren, auch in Arizona die Umfragen weit übertroffen, im Delegierten-Zähler den Abstand auf Hillary Clinton verringert und insgesamt einen wichtigen symbolischen Sieg errungen.

 

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Bernie Sanders vor Unterstützern in Arizona (Quelle: Gage Skidmore auf flickr.comCC)

Nach dem für Bernie etwas enttäuschenden ‚Midwestern Tuesday‘ am 15.März war seine Kandidatur in der letzten Woche von den Analysten und Kommentatoren der Leitmedien kurz und einhellig für tot erklärt worden, um dann weiter systematisch ignoriert zu werden.

Da sind zwei 80-20 Siege im ‚Rocky Mountain West‘ bei deutlich gestiegener Wahlbeteiligung mehr als nur ein deutliches Lebenszeichen – sie zeigen, wie gründlich die Bewegung hinter Sanders‘ Kandidatur immer noch unterschätzt wird. Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft seiner Unterstützer und Wähler werden weit weniger von der für Bernie durchaus herausfordernden Arithmetik der Delegierten beeinflusst als erwartet. Hillary Clinton hatte vor Dienstag einen gewaltigen Vorsprung, der generell ebensowenig unerwähnt blieb wie die angeblich resultierende Aussichtslosigkeit der Sanders-Kampagne, dennoch stimmten gestern in Idaho, einem Staat, den die Demokraten seit 1964 nicht gewonnen haben, mehr Wähler für Bernie Sanders als für Barack Obama 2008.

Sanders ist besonders stark unter Erstwählern und Unabhängigen, zwei Gruppen, die von den Modellen der Umfrageinstitute bisher in diesem Wahl-Zyklus nicht sonderlich akkurat erfasst werden, vornehmlich, weil sie historisch unzuverlässige Wähler sind und traditionell in Prognosen relativ gering gewichtet werden. Dies erklärt, warum Sanders nahezu konsistent alle Meinungsumfragen übertrifft – er aktiviert regelmäßig, fast in jedem Bundesstaat, Wählergruppen, die niemand erwartet.  Es erklärt nicht die umfassende Unfähigkeit und/ oder den trotzigen Unwillen der politischen Kommentatoren (übrigens auch in der Bundesrepublik), die Bedeutung und das Ausmaß der Bewegung, die von Sanders‘ Kandidatur losgetreten wurde, zu erfassen. Während den frustrierten Wählern Trumps und ihren Eskapaden eine geradezu hysterische Aufmerksamkeit gewidmet wird, bleibt das vielfältige, kreative, unentgeltliche, massenhafte Engagement einer wütenden, aber konstruktiven Linken unerwähnt.

Bisher. Mit jedem Bundesstaat, den der bereits totgesagte Sanders in den nächsten Wochen gewinnt, rückt der Kandidat, der kostenlose Hochschulbildung, Krankenversicherung für alle, einen Mindestlohn von 15$, eine Energiewende, das Ende der rigiden Drogenpolitik und einen Kampf gegen den politischen Einfluß von Konzernen und Superreichen verspricht, unweigerlich ein Stück mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Alle politischen Beobachter werden ausreichend Zeit bekommen, ihre Analyse zu schärfen, denn Sanders hat wiederholt angekündigt, bis zum Ende dabeizubleiben – und bei den nächsten anstehenden Wahlen in Alaska, Hawaii, Washington und Wisconsin die Umfragen zu übertreffen.

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